Emmendinger Tor vom 14. Dezember 2022 – Caritas Hilfsprojekt für Frauen

Aus für ein Hilfsprojekt für Frauen

Aus für ein Hilfsprojekt für Frauen

Nach acht Jahren hat die Bundesregierung die Förderung für ein Projekt der Caritas Emmendingen für geflüchtete Frauen kurzfristig beendet

E. Kulzer-Schwab, R. Leweling und M. Ahr von der Caritas Emmendingen.
Enttäuschung nach dem Aus für die Finanzierung des Frauenprojekts: Caritas-Mitarbeiterin Edith Kulzer-Schwab, Rainer Leweling, Geschäftsführer der Caritas Emmendingen, und Michaela Ahr, die zuletzt dieses Hilfsprojekt der Caritas leitete (v.l.)
 Foto: Barbara Breitsprecher

Es war ein Schock für den Caritasverband Emmendingen: das Aus für ein Projekt im Landkreis Emmendingen speziell für geflüchtete Frauen. Ganz kurzfristig war ein Brief der Bundesregierung eingetroffen, der ankündigte, dass die staatliche Finanzierung für dieses Projekt, das die Caritas Emmendingen 2016 als eine von bundesweit 80 Standorten aufgebaut hatte, im kommenden Jahr gestoppt wird.

Der Geschäftsführer des Caritasverbandes Emmendingen, Rainer Leweling, kämpft bei der Pressekonferenz sichtlich um Fassung: „Unsere Mitarbeitende haben ihr Herzblut in dieses Projekt gesteckt“. Gerade war der auch Vertrag für eine Mitarbeiterin für dieses Projekt verlängert worden. Dass eine solch wertvolle Hilfe, die seit Jahren auf soliden Beinen stand und vielen Frauen zugute kam, nun einfach eingestellt wird, ist für ihn nicht nachvollziehbar: „Da ist jetzt viel Vertrauen zerschlagen worden“.

Als vor acht Jahren die vielen Flüchtlinge nach Deutschland kamen, startete die Bundesregierung bundesweit Hilfsprojekte, die auch gezielt den vielen Frauen zugute kommen sollten. Die Caritas Emmendingen bewarb sich neben etlichen anderen Wohlfahrtsorganisationen und erhielt den Zuschlag für die Finanzierung eines solchen Empowerment-Projektes. Die Kosten für die 50 Prozent-Stelle, die dafür extra geschaffen wurde, betragen laut Rainer Leweling jährlich 30.000 Euro, hinzu kommen noch knapp 5000 Euro an Materialkosten und sonstigen Ausgaben, wie beispielsweise eine regelmäßige Supervision für die Mitarbeitenden. Jährlich musste routinemäßig zum Ende des Jahres ein neuer Antrag gestellt werden, der während der acht Jahre auch stets ohne Komplikationen genehmigt wurde. Doch dieses Jahr kam es anders. Der Arbeitsstab der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung verschickte – einen Tag, nachdem die Regierung verkündet hatte, dass geplant sei, die Einbürgerungsfristen zu verkürzen – einen Brief, in dem ganz kurzfristig verkündet wurde, dass es für das neue Jahr keine Finanzierung mehr für das Projekt geben würde. Ohne diese jedoch, erklärt Rainer Leweling, sei es der Caritas nicht möglich, das Hilfsprojekt weiter zu führen. Zum 31. Dezember wird das Frauenprojekt deshalb eingestellt.

Ziel des Empowerment-Projekts war gewesen, geflüchteten Frauen Integrationsmöglichkeiten zu schaffen. Dazu wurde wöchentlich ein Frauencafé angeboten, es gab zudem Nähtreffs und Geburtsvorbereitungskurse, den Frauen wurde das Fahrradfahren und das Schwimmen beigebracht, und es gab Bildungsangebote, beispielsweise über Verhütung oder Zahngesundheit sowie Sprachkurse und Einführungen am Computer. „Durch unsere Arbeit waren wir sehr nah dran an den Bedürfnissen der Frauen“, erläutert Edith Kulzer-Schwab, die dieses Projekt von 2017 bis 2019 leitete. Es mache sie ratlos und wütend, „wie sinnlos es ist, solch ein gut verwirklichtes Projekt einfach einzustellen“.

Von 2019 bis 2022 übernahm dann Annabelle Marsovsky die Projektleitung. Sie berichtet von einer geflüchteten schwangeren Frau aus Somalia, die kein Wort deutsch sprechen konnte. Sie war von weiblicher Genitalbeschneidung betroffen und musste in die Uniklinik. Die Projektleiterin begleitete diese Frau, kümmerte sich um die Übersetzungen und war eine wichtige Vertrauensperson für diese junge Frau, zumal sie der Schweigepflicht unterliegt. Aus dieser Erfahrung heraus kam es später auch zu einer Fachtagung zum Thema „weibliche Genitalbeschneidung“.

Inzwischen kamen jedoch neben den ansonsten zumeist syrischen und afrikanischen geflüchteten Frauen zunehmend auch Frauen aus der Ukraine zu den Frauencafés und zu den Veranstaltungen, erzählt Michaela Ahr, die 2022 die Projektleitung übernahm. Sie beschreibt anschaulich die Möglichkeiten zur „Selbstermächtigung“, die beispielsweise die EDV-Kurse den Frauen gegeben haben. Als Beispiel berichtet sie von einer jungen syrischen Frau, die bereits als Teenager mit einem wesentlich älteren Mann zwangsverheiratet wurde und inzwischen acht Kinder hat. „Diese Computerkurse waren ein Meilenstein in der Entwicklung dieser Frau“, so Michaela Ahr. Auch sie bekräftigt, wie viel Vertrauensarbeit im Rahmen dieses Projektes für diese Frauen geleistet werden konnte, die zumeist viel Gewalt erfahren haben und traumatisiert sind.

Er habe nach der Bekanntgabe für das Aus des Projekts sogleich mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner, der auch Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD ist, telefoniert, so Rainer Leweling. Der wiederum erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme ans WZO, dass die Bundesregierung die für 2023 ursprünglich vorgesehenen 17 Millionen Euro für Flüchtlingsprojekte auf 19 Millionen Euro erhöht habe, „es gibt also mehr Geld für diese wichtigen Integrationsprojekte als im Regierungsentwurf ursprünglich geplant“. Für die neuen Förderungen ab 2023 habe es zahlreiche Bewerbungen gegeben, „doppelt so viele Anträge wie die vorhanden Mittel abdecken konnten“. Die Caritas Emmendingen „zog in dieser Bewertung leider den Kürzeren und andere Flüchtlingsprojekte haben (…) den Zuschlag für eine Förderung bekommen“, so Johannes Fechner. Gleichzeitig räumt er ein, dass es wünschenswert gewesen wäre, wenn die Antragsablehnung früher kommuniziert worden wäre.

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